Lieblingsstories

Rezension von Katrin Zill "women's edition"

Statt Traumprinz einen Gimpel
Angie Pfeiffer "Ruhrpottliebe"


Gelsenkirchen in den 70ern. Elisa macht ihre Ausbildung zur Bürokauffrau bei einem Opelhändler und wartet auf die große Liebe. Doch dann entwickelt sich alles ganz anders.
„Ruhrpottliebe“ heißt Angie Pfeiffers zweiter Ruhrgebietsroman, der im Verlag BoD erschienen ist. Es ist die Fortsetzung ihres Romans „Ruhrpottadel“ und auf gut 150 Seiten erzählt die Autorin auf amüsante und authentische Weise, wie ihre Heldin – so langsam erwachsen geworden – auf der Suche nach der Großen Liebe „einen Gimpel namens Alfred“ trifft.
Alles beginnt auf der Hochzeit ihrer besten Freundin Annerose im Jahr 1974. Elisa hofft, dort ihren Traumprinzen kennenzulernen, stattdessen läuft ihr ihr Ex über den Weg. Ein Traumprinz ist der nicht, doch erweist er sich so nach und nach als „würdiger Ersatz“. Obwohl Elisa eigentlich erst einmal keinen festen Freund möchte, kommen sie und Alfred sich dann doch näher und werden wieder ein Paar. Die Beziehung wächst und schließlich heiraten die beiden. Und schwupps ist Elisa mitten drin in Alfreds verkorkster Familie, den Jollenbecks. Die Schilderungen der jeweiligen Begegnungen Elisas mit der Jollenbeckschen Sippe sind einfach zu köstlich.

Doch der Roman ist keine Aneinanderreihung von urkomischen Familienanekdoten, sondern birgt auch ein sehr ernstes Thema: Gewalt in der Ehe. Pfeiffers Protagonistin sah bereits von Anfang an die Hochzeit ihrer besten Freundin Annerose mit einem Grummeln im Magen. Ihr ungutes Gefühl bestätigte sich im Laufe der Geschichte, denn Annerose fand in ihrer Verbindung mit Mario nicht das Glück, dass sie erhofft hatte, sondern blaue Flecken und viele Tränen. Sehr gut beschreibt die Autorin die Hilflosigkeit Elisas, die um das Leid der Freundin weiß, ihr aber kaum helfen kann, da Annerose trotz Qualen lange an der Ehe festhält. Dass Elisa selbst nicht glücklich mit ihrem Alfred wird, ahnte die junge Frau sicher sehr früh, doch verdrängte sie diese Gedanken gekonnt.
Angie Pfeiffer zieht die Aufmerksamkeit des Leser auf ganz alltägliche Familiengeschichten, gewürzt mit dem Charme der Region in der damaligen Zeit. Kohle, Maloche, einfaches Leben. Es ist spannend, davon zu lesen und entlockt sicher so manchem ein „ja, so war das damals“. Pfeiffer erzählt gekonnt von Familienfreud und -leid, kleinen zwischenmenschlichen Tragödien, falschen und richtigen Entscheidungen. Durch die Erlebnisse der beiden Freundinnen Annerose und Elisa verarbeitet der Roman ein interessantes Thema. Wieso haben die beiden jungen Frauen sich für diese Männer entschieden? Wie stark beeinflussten damals Gesellschaft und Familie das eigene Denken? Wie gehen sie trotzdem ihren Weg.

Ein schöner Roman, den man in einem Rutsch gut lesen kann, der einen schmunzeln lässt, aber auch mal nachdenklich stimmt.

Text: Katrin Zill




Artikel von Marita Strothe in den "Westfälischen Nachrichten"


Angie Pfeiffer ist kreativ und fleißig: Fünf Romane, 15 E-Books und mehr als 50 Kurzgeschichten hat sie bereits in Anthologien, Literaturzeitschriften und in der Tagespresse veröffentlicht.


„Fantasie hatte ich schon immer“, schmunzelt Angie Pfeiffer. „Bereits als Kind habe ich viel und gerne erzählt. Aber jetzt habe ich endlich ein Ventil dafür.“ Die ihrer Fantasie entspringenden Geschichten schreibt die Nottulnerin nämlich seit 2007 auf – und veröffentlicht sie.

Einer ihrer jüngsten Texte, „Phantomschmerz“, ist soeben in der Anthologie „Gemeinsam grundverschieden“ erschienen. Für diese Sammlung mit Männer- und Frauengeschichten, hatte der Schreiblust-Verlag mit Sitz in Dortmund zuvor eine Ausschreibung im Internet veröffentlicht, die über 300 Autoren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zum Anlass genommen haben, ihre Arbeiten einzuschicken. Der Verlag hatte somit die Qual der Wahl und konnte sich für das Buch die Rosinen herauspicken.

Eine davon ist die Story, die Angie Pfeiffer beisteuerte: „Wenn sie in den Spiegel schaute, sah sie das Mädchen von damals. Zwischen ihren Augen und dem Spiegelbild lagen mehr als fünf Jahrzehnte.“ Mal aus Sicht der Frau, dann wieder aus der des Mannes beschreibt die Nottulnerin darin die Beziehung eines Paares, das sich bereits in jungen Jahren kennengelernt, aber über die Jahre nie richtig zusammengefunden hat. Und als die Frau sich schließlich ein Herz fasst und bei ihm anruft, erreicht sie nur noch dessen Sohn . . .

Angie Pfeiffer, geboren 1955, hat bisher fünf Romane, 15 E-Books und mehr als 50 Kurzgeschichten in Anthologien, Literaturzeitschriften und der Tagespresse veröffentlicht. Ans Schreiben sei sie als Radio-Hörerin von WDR2 gekommen, erinnert sich die Autorin. Dort gab es 2007 einen Aufruf: Man plante ein Buch mit dem Titel „Die schönsten Liebesgeschichten aus NRW“. Kurzentschlossen brachte Pfeiffer zu Papier, wie sie ihren zweiten Mann lieben gelernt hatte. Ihr Text wurde angenommen und im Buch „Manchmal werden Orte zufällig romantisch“ veröffentlicht. „Mein Liebster hat mir danach gut zugeredet, doch mit dem Schreiben weiterzumachen“, erinnert sich die Autorin.

Die gebürtige Gelsenkirchenerin, die seit 20 Jahren im Münsterland und seit 15 Jahren „mit meiner neuen Liebe“ in Nottuln lebt, hatte zu der Zeit auch ein wenig Ahnenforschung betrieben. Ihre Familie väterlicherseits hatte sie dabei bis in das Jahr 1720 zurückverfolgen können. „Das ist eine spannende Sache, denn hinter jedem Namen verbirgt sich eine Geschichte, ein Leben, in dem gelitten, gelacht, geweint und geliebt wurde“, stellte sie fest.

Und so wurde ihre eigene Familiengeschichte dann auch zum Grundstock für ihren ersten Roman „Ruhrpottadel“, in dem sie Autobiografisches mit Fantasie vermischt hat. Mittlerweile hat sie ihre Ruhrpottsaga mit dem vierten Buch abgerundet. Dabei habe sie sich einiges von der Seele geschrieben, das lange verschüttet war, sagt sie.

„Wenn ich eine Geschichte anfange, weiß ich meist noch nicht, wie sie zu Ende geht“, verrät die Autorin über ihre Art zu schreiben. Meist habe sie eine Begebenheit oder Personen vor Augen, die sie dann in eine Story einfließen lasse. So beschreibt sie in ihrem zweiten Buch (www.relativ-verliebt.de), was „frau“ so alles passieren kann, wenn sie sich auf das Abenteuer „Männersuche per Internet“ einlässt. „Das ist unsere Geschichte“, verrät sie lachend. Selbst Murphy, einer ihrer Dackel, hat den Weg in ein Buch von ihr gefunden.

Von Marita Strothe