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Kurt wacht auf

 

Kurt wachte auf, weil er zur Toilette musste. Es war noch dunkel. Auf seinem Nachttisch blinkte die Uhr: 5:00. Die Zahlen sagten ihm nicht viel. So stand er auf, schlurfte ins Badezimmer. Nach dem Toilettengang sah er sich interessiert um. Ein Zettel, der auf dem Spiegel klebte erweckte seine Aufmerksamkeit.

‚Nicht vergessen: gründlich waschen und die Zähne putzen’

Nun, wenn das schon dort stand, so wollte er der Anweisung auch folgen. Übrigens erinnerte er sich dunkel daran, dass es wichtig war, dass er tat, was auf einem Zettel aufgeschrieben war.

Aufmerksam betrachtete er sein Spiegelbild, konnte aber so recht nichts damit anfangen. Er zuckte die Schultern, eigentlich war es egal, wer ihm dort im Spiegel entgegenblickte. Eine Zahnbürste stand im Becher parat. So betätigte er den Spender und drückte etwas von der herausquellende Flüssigkeit auf die Bürste. Beim Zähneputzen schäumte es ordentlich. Zwar bekam er die Zähne schön sauber, doch schmeckte es eigenartig, gar nicht so, wie er es erwartet hatte.  Nach dem Ausspülen des Mundes schaute er noch einmal auf den Zettel. Was war es noch, dass er tun sollte? Ach ja, richtig, ‚gründlich waschen’ war noch vermerkt. Er sah sich um, stieg dann in die Dusche und stellte das Wasser an. Auch jetzt hatte er das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Nach einer Weile verließ er die Dusche wieder. Ihm wurde kalt, der nasse Schlafanzug hing an ihm herunter, fühlte sich sehr unangenehm an. Schnell zog er ihn aus und hüllte sich in den flauschigen rosa Bademantel, der an der Tür hing. Er war ein wenig eng und zwickte an den Armen, aber er war wenigstens warm. Kurt fragte sich, ob er zugenommen hatte, so eng wie das Kleidungsstück war.

Sein Magen knurrte vernehmlich und so suchte er die Küche, die er fast sofort fand. Hier hing ein weiterer Zettel an der Kühlschranktür:

‚Zum Frühstück magst du gern Toast mit Marmelade. Marmelade und Butter sind im Kühlschrank’.

Auf der Arbeitsplatte lag ein Päckchen mit Toastbrot, daneben stand ein rechteckiger Apparat. Oh ja, das war jetzt genau das Richtige, knuspriger, süßer Toast. Kurt lief das Wasser im Mund zusammen. Doch was musste er machen, um das Toastbrot zu rösten? Er überlegte, dann legte er zwei Scheiben Toast auf eine Kochplatte des Ofens. Weil er nicht wusste, welche die Richtige war, machte er einfach alle an. Dann holte er Marmelade aus dem Kühlschrank und ließ jeweils einen Klacks auf das Brot fallen. Er goss sich ein Glas Saft ein und trank es genüsslich, während er darauf wartete, dass sein Toast schön knusprig wurde.

 

Ein paar Tage später:

Mutter und Tochter saßen sich in der Küche gegenüber. „Wirklich Mama, das geht doch nicht. Er wird irgendwann das Haus in Brand stecken. Hast du denn überhaupt keine Angst davor?“ Friedl sah ihre Tochter ernst an, dann nickte sie. „Natürlich habe ich Angst. Was denkst du denn!“ Die Tochter nippte an ihrer Kaffeetasse. „Wir müssen etwas unternehmen. Was meinst du?“

„Ja, da hast du wohl Recht“, seufzte Friedel, stand auf und ging ins Bad. Hier nahm sie ihren Morgenmantel von Haken und hängte noch ein Shirt und eine Hose von Kurt zu seinem Badmantel. Dann kam sie wieder in die Küche, nahm sich einen Notizblock und setzte sich auf ihren Platz. Eifrig schrieb sie. Ihre Tochter sah ihr über die Schulter. Ungläubig las sie:

 

‚Toastbrot in den Toaster schieben. Er steht daneben auf der Arbeitsplatte. Bräunen auf Stufe 3. Marmelade erst nachher auf dem Toastbrot verteilen. Guten Appetit.’

Friedl zögerte einen Moment, dann erhellte ein Lächeln ihre Züge.

‚Ich liebe dich’,

setzte sie unter die Anweisung.